No-Plan-June oder die Sache mit den Lebensträumen

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Neulich kam in meinem Leben die Frage nach meinen Lebensträumen auf. Die erste christliche Antwort folgte auf dem Fuße: Gott soll mein Leben gehören. Ja, er soll der Mittelpunkt in meinem Leben sein. Ich will ihm alles zu Füßen legen. Soweit, so gut. Wie dreht sich denn alles in meinem Leben um ihn? Will ich das wirklich? Nach einem Jahrzehnt mit Gott, in dem ich fleißig jeden Sonntag den Gottesdienst besuchte, mir einen Platz im Gemeindeleben erobert hatte und ein stetiges Gebetsleben entwickelt hatte, lief eigentlich alles gut. Bis ich Menschen sah, die dann nochmal radikaler lebten als ich. Irgendwie beeindruckend und beängstigend zugleich, weil sie so roh darin waren, regelrecht unzivilisiert in meinen Augen. Menschen, die echte Wunder erlebten, deren Gebete erhört wurden. Die Sätze wie „ich beuge mich vor dir“ tatsächlich so meinten und nicht im übertragenen Sinn verstanden. Ich fühlte mich in meinem Leben mit Jesus angekratzt. Hallo, ich muss ja nicht gleich tatsächlich auf die Knie schmeißen, wenn ich das im Lobpreis singe! Es geht doch um eine innere Haltung! Oder nicht?

Wie wir ganz in Hingabe leben, zeigt Jesus, wenn er die zehn Gebote zitiert:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit all deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand.“ Lukas 10,27

Gottes Reise mit mir führte mich in einen anderen Lebensstil hinein, über Filme-und-Bücher-fasten, Buße (aus dem Christendeutsch übersetzt so viel wie „meine-geheimen-Peinlichkeiten/Gedanken/Handlungen-die-keiner-wissen-soll-Gott-vor-den-Ohren-einer-anderen-Person-sagen-und-sie-ernsthaft-nie-wieder-tun-wollen“), Taufe, Essen-Fasten, Gebetsnächte, meinen ganzen Schmuck verschenken, Geheimnisse-nur-mit-ihm-haben immer weiter von Gehorsam in Richtung Hingabe. Fasten ist dabei ein gutes Bild dafür, wie ich mich entscheide, etwas zu unterlassen, damit Gott diesen Platz einnehmen kann.

Ich durfte mittlerweile lernen, dass ich nicht nur aus Körper, Seele und Geist bestehe. Ich kann mit allen drei Teilen meiner selbst Gott anbeten, ihn zum Mittelpunkt meiner selbst bestimmen. So wie David seiner Seele anbefiehlt, Gott zu preisen. Wie er mit vollem Körper-Einsatz NACKT vor Gott tanzt. Hast du schonmal alleine in deinem Zimmer nur für Gott getanzt? Nicht aus Gefühlsduselei, sondern einfach, weil es ihm gefallen könnte – als Zeichen deines Willens, dass auch dein Körper ganz ihm gehören soll? Zugegebenermaßen ist das ein bisschen crazy. Ich empfehle das zu machen, wenn du sturmfrei hast und laut Lobpreis dazu hören kannst. Ein bisschen crazy sein für Gott, das nennt man auch Hingabe. Dumm sein vor den Augen der Welt, den Augen deiner Freunde, deiner WG, vielleicht sogar deiner Familie und Gemeinde. Gott liebend und gehorsam in seinen Augen. Nur für ihn. Für den, der mich teuer erkauft hat und dem ich ganz gehören will. Dazu gehört auch, mich wirklich auf meine Knie zu begeben und zu merken, dass ich genau da am richtigen Ort bin, auf den Knien vor dem Herrscher des Universums. Auf den Knien vor meinem Gott.

Was passiert denn dann, wenn Gott der Mittelpunkt meiner Lebenspläne ist? Wenn es nicht im übertragenen Sinn gemeint ist, sondern real und praktisch wird? Puuuuhh, fiese Nummer und größte Herausforderung der letzten Zeit: Ich hatte neulich das Gefühl, einen Monat lang keine Pläne schmieden zu sollen. Ich mag es, Pläne zu schmieden. Sie sind etwas, das ich steuern kann, wo meine Ideen mit einfließen und ich in Richtung meiner Lebensziele weiter vorrücke, zumindest gedanklich. Sie sind gar nicht schlecht oder doof, bitte nicht falsch verstehen. Gott liebt unseren Verstand, unsere Gedanken, unser Herz. Sogar unsere Wünsche. Jetzt der springende Punkt: Was ist, wenn dieser Gott, um den sich gesungenermaßen mein Leben drehen soll, sagt, dass ich meine Träume nicht nur bittend vor ihn legen soll, damit er sie mir erfüllt? Was ist, wenn er sie wirklich von mir fordert? Ich komme mir manchmal so vor, als würde ich in einem adretten Kleidchen vor den höchsten Gott treten, ihm sagen „hier hast du meine Träume“, ganz bescheiden die Augen niederschlagen und mir in meinem schleifenverzierten Köpfchen schon meine Dankesrede zurechtlegen. Was ist aber, wenn ich meine Träume vom idealen Leben ganz abgeben soll, in der Erwartung, dass er sie behält und mir nicht erfüllen wird. Ist er mir das wert?

Als ich diesen Keine-Pläne-Juni hatte, war es eine verzwickte Situation. Scheinbar standen für zwei Monate später ein kompletter Umzug, Berufswechsel, Urlaub und was sich noch so im Duden unter „lebensverändernde Situation“ finden lässt, an. Und dann keine Pläne sortieren, wie soll das denn gehen. Bisschen knapp, oder Gott? Ich grummelte vor mich hin, wusste nicht so richtig, wie ich mit der Situation umgehen oder gar dabei beten sollte. Ich war unruhig und irgendwie besorgt, dass ich in meiner jetzigen Lebenssituation dann wohl stagnieren müsste, wenn ich nicht rechtzeitig plane. Und dann klatschte mir die Erkenntnis gegen Ende des Monats wie ein nasser Waschlappen ins Gesicht: Das ist Misstrauen! Hä, nochmal, echt jetzt? Misstrauen meinem Schöpfer und größten Liebhaber gegenüber? Das ist doch Quatsch!? Korrekt!

Rend Collective singen in ihrem Meisterwerk „The Cost“:

I’m saying yes to You
And no to my desires
I’ll leave myself behind
And follow You

I’ll walk the narrow road
‚cause it leads me to You
I’ll fall but grace
Will pick me up again

I’ve counted up the cost
Oh I’ve counted up the cost
Yes I’ve counted up the cost
And You are worth it

I do not need safety
As much as I need You
You’re dangerous
But Lord You’re beautiful
[…]

I’ve counted up the cost
And You’re worth everything

Wenn ich Gott meine Lebensträume anvertraue, dann in dem gleichzeitigen Wissen darum, dass er in erster Linie gut und mir absolut wohlgesonnen ist (Gott selbst ist Vorbild darin, etwas zu 100% zu sagen und zu tun) und mir nichts fehlen wird. Es wird mir auch nichts fehlen, wenn ich meine alten oder aktuellen Träume ihm überlasse. Selbst wenn sie nicht wahrwerden. Kaum zu glauben, oder? Es geht dabei keinesfalls um Resignation, sondern um Hoffnung. Absolut berechtigte Hoffnung auf seine Pläne mit mir. Ja, es kostet mich etwas. Es kostet mich vielleicht finanzielle Sicherheit, Karriere oder die Erwartung, dass ich mal meinen Mann kennenlerne, ein Auto fahre, endlich alleine eine Wohnung bewohne (oder wahlweise mit tollem Ehemann und mindestens zwei Kindern) oder allerwenigstens endlich einen Urlaub in einem exotischen Land machen kann. Das ist sogar schon die bescheidene Version meiner Träumeliste, mit Abstrichen, damit es etwas demütiger vor Gott aussieht und er mich überraschen kann. Ich lasse also diese (gar nicht mal so frechen) Träume sein, damit Gott an dieser Stelle in meinem Herzen und in meinem Leben wohnen darf. Da bekomme ich schonmal Schnappatmung. Gewagt! Hilfe, echt? Nachfolge soll mich alles kosten, Trotzreaktionen inklusive. Und Nachfolge darf mich alles kosten. Sogar mein Misstrauen IHM gegenüber. ER darf mich alles kosten. Ungemütliches Ziehen an meinen Beinen und im Rücken, wenn ich vor ihm auf die Knie gehe. Meine Träume, damit er seine Träume mit mir leben kann. Und jetzt mal ganz ehrlich: Das wird eh das Beste, wenn mein Schöpfer mit mir das macht, wofür er mich designt hat! Selbst wenn es von meiner Idee davon abweicht. Dafür gebe ich mich hin.

Ich verliere mein Leben, um seins zu gewinnen. Das ist ein Prinzip. Wenn ich nicht mehr für meine Ideale lebe, bin ich frei, für Gottes Träume mit mir zu leben. Gottes Träume? Ja, Gott träumt von mir, hat Ideen für mein Leben, freut sich schon auf bestimmte Momente mit mir. Die will ich unter keinen Umständen verpassen. Sinn ist weder ein Tauschgeschäft noch ein verkapptes ich-tue-so-als-ob-ich-bescheiden-wäre-damit-ich-ein-riesigeres-Geschenk bekomme. Es ist ein Hinverschenken. Ohne Rückhalt oder doppelten Boden, dafür an die Person, die es am besten mit mir meint. Die das nicht von mir fordern würde, wenn es nicht gut für mich wäre. Für den Schmuck, den ich verschenkt habe, bekam ich keinen neuen Schmuck. Trotzdem war es gut für mich.

Heißt das jetzt, wir sollen keine Träume mehr entwickeln? Nein. Im Gegenteil, wir dürfen groß träumen für unser Leben, denn ER hat Großes mit uns vor, dazu gehören Abenteuer, Freude, Liebe und vieles mehr. Ich habe meine Träume von Abenteuern und Sicherheit an bestimmten Lifestyle-Kennziffern festgemacht wie einem lückenlosen Lebenslauf. Gott hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass mir ein bestimmter Lebensstil und die damit verbundenen Träume zum Götzen geworden sind. Ich bemerke immer öfter die Wahlmöglichkeit, mich mehr oder weniger auf einen Lifestyle zu konzentrieren, der mir Sicherheit, Perspektive oder Anerkennung verspricht. Wenn ich mit Gott darum ringe, genau diese Dinge erfüllt zu sehen und ihn nicht mehr frage, wie er sich eigentlich mein Leben vorstellt – und ob dazu in dieser Situation gerade wirklich der Besitz eines Autos gehört – dann will ich endlich nicht mehr sauer auf Gott sein, wenn die Antwort „nein“ lautet. Ich will nicht bockig werden. Oder leidend meine Idee vom schönen Leben opfern. Ich will von ganzem Herzen zu meinem Gott „ja“ sagen und meine Ideen ihm mit einem „hier, wenn du es willst“ geben. Ich will mit ihm zusammen beginnen zu träumen. Ich will mir nicht alleine etwas zurechtlegen, Gott dies als mögliche Geschenkidee für mich präsentieren und sauer sein, wenn er mir ein anderes Geschenk in die Hände drückt.

 Und was wurde aus dem No-Plan-June? Gott hat die Zeit dafür genutzt, mal ein paar Ecken in meinem Herzen aufzudecken, die schön unsichtbar geblieben wären, wenn ich mich eifrig ans Planen gemacht hätte. Das war tatsächlich eine gute Idee von ihm! Ich ziehe erstmal nicht um, bekomme wohl auch in nächster Zeit kein Auto geschenkt, aber ich darf Urlaub mit Gott am anderen Ende der Welt machen. Wir haben einen guten Gott, das steht außer Frage.

 

 

Katha

…die schon bei dem Gedanken an

ihren bevorstehenden Urlaub in Taiwan

ganz zappelig wird.

    Das Leben mit Perspektive Ewigkeit
    wholehearted ganz praktisch