Lieben & Lassen

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Wer kennt es nicht: Zuneigung, die nicht auf Gegenseitigkeit beruht, oder der Verlust eines geliebten Menschen? Nie habe ich verstanden, warum es so etwas überhaupt geben muss, warum Liebe manchmal so grausam ist und warum es überhaupt möglich ist, dass Liebe nicht in dem Maß erwidert, in dem sie geschenkt wird. Antworten, deren Inhalt die altbekannte Geschichte über den Sündenfall enthielten, konnten mich dabei nie zufrieden stellen. Ich verstand einfach nicht, warum es für die Liebe, die doch angeblich alles zu überwinden vermag, manchmal doch keine Hoffnung gibt. Wie konnte Gott denn so etwas Schmerzhaftes zulassen?

Dass ich nun die vollkommen zufriedenstellende Antwort auf diese Frage kenne, wage ich nicht zu behaupten, aber ich durfte etwas erkennen, was mir diesbezüglich die Augen geöffnet hat und was ich nun mit dir teilen möchte.

 

#lovegivesfreedom

Liebe zeichnet sich durch Freiheit aus. Zwang führt dazu, dass man liebt, damit man nicht bestraft wird, so wird das, was wir als Liebe bezeichnen, nämlich das sie u.a. „nicht das Ihre [sucht]“ (1. Kor. 13, 5), erst möglich. Marie von Ebner- Eschenbach behauptete einmal: „Wahre Liebe fordert nicht, wahre Liebe gibt. Sie ist ein Entgegenkommen, ein Geben, aber auch ein Annehmen. Wahre Liebe ergreift nicht Besitz, sondern gibt Freiheit.“ So lässt sich zusammenfassen, dass Liebe sowohl freiwillig verschenkt, als auch ebenso freiwillig akzeptiert wird.

Wir sehen diese besondere Eigenschaft der Liebe auch an Gott selbst, der ja bekanntlich die Liebe ist (vgl. 1. Joh. 4, 8). Er hat sich selbst aus freiem Willen für uns hingegeben und uns die Wahl überlassen, ob wir sein Geschenk der Erlösung ergreifen wollen. Es ist besonders bemerkenswert, dass er sich selbst verschenkt hat, bevor er überhaupt wissen konnte, ob irgendjemand diese Liebe erwidern oder sie auch nur akzeptieren würde. Damit ging er ein enormes Risiko ein, was für uns aber wiederum Freiheit überhaupt erst ermöglicht. Dies führt mich zu meinem nächsten Punkt.

 

#toloveistobevulnerable

Wie es das Hashtag schon sagt, wenn man jemanden liebt, führt das zu einem großem Verletzungspotenzial.

„Zu lieben bedeutet vor allem verletzbar zu sein. Wenn man irgendetwas liebt, dann wird das Herz verletzt und unter Umständen auch gebrochen werden. Wenn man sicherstellen will, dass es heil bleibt, dann darf man es niemandem schenken, nicht mal einem Tier. Man sollte es dann sorgfältig in Hobbies und kleine Annehmlichkeiten verpacken und jegliche Verbundenheit vermeiden. Es muss sicher in die Urne oder den Sarg des Egoismus eingeschlossen werden. Aber in dieser Urne, sicher, dunkel, unbeweglich, ohne Luft, wird es sich verändern. Es wird nicht gebrochen werden; es wird unzerbrechlich, unzugänglich und für Erlösung unerreichbar werden. Zu lieben bedeutet verletzbar zu sein.“ – C.S. Lewis

Viel kann ich den Worten von C.S. Lewis hier nicht mehr hinzufügen, es ist damit eigentlich schon alles gesagt. Umso erstaunlicher und wunderbarer finde ich in diesem Zuge aber Gott, der nicht davor zurückschreckte, in seiner Liebe zu uns bis zum Äußersten zu gehen und sich gänzlich für uns zu verlieren, in dem Wissen, dass er von vielen zurückgewiesen werden würde und ohne Garantie, dass auch nur einer verstehen würde, was er für uns getan hat. Er ist also nicht grausam, wenn er zulässt, dass Liebe nicht erwidert wird, sondern bereitet uns damit das größte Geschenk und garantiert uns so Selbstbestimmung anstelle von Unterwerfung.

Ich denke, wir kennen alle die Angst vor Ablehnung und die Sehnsucht, dass uns zurückgegeben wird, was wir aus Liebe schenken. Und wie oft halten wir zurück um nicht enttäuscht zu werden? Damit will ich nicht sagen, dass wir uns ohne Nachdenken stets bedenkenlos aufopfern sollten, aber, dass wir es wagen sollten Menschen unsere Liebe ohne die Bedingung zu schenken, dass sie uns zurücklieben. Natürlich werden wir verletzt werden, aber auch so viel Freude, Schönheit und Freiheit erfahren, die uns durch ein Zurückziehen verschlossen blieben. Und wie schon Katharina von Siena so richtig erkannte, finden wir letztendlich genau darin unsere Bestimmung, denn [o]hne Liebe kann die Seele nicht leben. Sie muß etwas lieben, sie ist aus Liebe geschaffen.“

 

#loveisbold

Wenn lieben nun also heißt, dass man verletzbar ist, dann kann man sagen, dass es Mut kostet Liebe zu verschenken. Es wird uns beizeiten alles abverlangen und es wird schwer werden. Wenn die Bibel davon spricht, dass die Liebe alles erträgt, alles glaubt, alles hofft und alles erduldet (vgl. 1. Kor. 13, 7), bedeutet das, dass es nicht immer einfach sein wird zu lieben und dass Einiges kommen wird, was zunächst unsicher sein wird und Hoffnung und Geduld erfordert. Aber wie wir an Jesus sehen können, überwindet die Liebe eben auch und das gibt uns Hoffnung und Kraft mutig zu lieben und zu ertragen, in dem Wissen, dass es Schönheit hervorbringt.

Ich bin davon überzeugt, dass Liebe uns zwar einiges kosten, sich aber am Ende immer lohnen wird, sofern sie ehrlich und rein ist und das Beste des Anderen im Sinn hat. Ich glaube daran, dass nur die Liebe Menschen von ihren inneren Verletzungen heilen kann und dass nur sie es ist, die alle Schwierigkeiten überwinden kann, weil sie eben weg von sich selbst auf den Anderen blickt und geduldig und gütig das zum Vorschein bringen kann, was vielleicht verschüttet wurde. Ich denke, dass wir das alle brauchen und wir uns daher auch alle darum bemühen sollten, unseren Mitmenschen mit dieser Liebe zu begegnen, auch wenn wir immer wieder zurückgewiesen werden. Darum: „Lasst uns lieben, wie er uns geliebt hat!“ (1. Joh. 4, 19)

 

Julia

…die sich schon

auf Schweden freut.

    Überflute
    Kochen ist schön. Zusammen essen ist schöner