How not to be single

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Ich bin eine Romantikerin.  Es hatte mich in jungen Jahren nie sonderlich gereizt, irgendwo Karriere zu machen oder reich zu werden. Ich habe mich lange auf kein bestimmtes Ziel für mein Leben festgelegt, weil ich Gott alle Möglichkeiten mit mir offen halten wollte. Er sollte mich senden, wohin er will und ich würde tun, was er will. Doch eins wollte ich unbedingt: heiraten.

Ich wollte Romantik (so ab 17 sollte es losgehen). Ich würde einen tollen Mann kennenlernen, wir würden erst eine tiefe Freundschaft aufbauen, uns bald verlieben, dann verloben und schließlich heiraten. Mit ca. 21 Jahren wäre die aufregende Kennenlernzeit dann abgeschlossen und ich könnte mein Leben lang einfach glücklich verheiratet sein. Jesus würde mir einfach zeigen, wer der Richtige ist und solange würde ich warten. Ich fand mich ziemlich reif und radikal für Jesus. Gleichzeitig war das Warten damals schon ätzend für mich. Neben meinem festen Entschluss kam Panik auf: „Was ist, wenn ich mit 20 immer noch keinen Freund haben werde?“ Eine kleine Stimme im Inneren fragte mich damals: „Was würdest du tun, wenn du auch mit 30 noch keinen Freund hast?“ Ich betete gegen den Zweifel an und schob die Frage weg.

Doch tatsächlich gingen die Jahre ins Land, ich wurde 17, 18, 19 und 20 und kein Mann war in Sicht. Ich betete wie wild, gab das Thema komplett ab, schaute meinen Brüdern und Freundinnen beim Heiraten zu … 21, 22, 23… ich glaubte noch fester, übte mich in Geduld, verzweifelte …. 24, 25, 26 …. ich hielt Gott seine Verheißungen vor, aktivierte meinen Freundeskreis, wurde abwechselnd wütend, traurig und panisch… 27, 28, 29…. Nichts. Und eines Tages war ich 30 Jahre alt und stand immer noch ungeküsst im Wartehäuschen des Lebens. Was hatte ich nur falsch gemacht? Wo war Gott? Hatte ich nicht fest genug geglaubt? Hatte ich nicht genug gebetet? (That can’t be it!) Was hielt Gott davon ab, endlich zu handeln? Was musste ich tun? Wie könnte ich Gott dazu bringen mir endlich meinen Wunsch zu erfüllen?

All das klingt vielleicht etwas übertrieben. Aber das ist es leider nicht. Ich habe wirklich viel Zeit und Energie mit Grübelei verbracht und bin regelmäßig daran verzweifelt. Wirklich richtig verzweifelt. Und es schlichen sich leise Zweifel ein, die immer lauter wurden. Ich fühlte mich vernachlässigt, ungeliebt und hielt Gott vor, dass er mich nicht versorgte. Keinen Freund zu haben bedeutete längst nicht mehr nur, keinen Freund zu haben. Es bedeutete inzwischen, dass ich vielleicht keine Familie gründen würde und während alle Freunde sich weiterentwickelten und nur noch über Windeln und Bio-Brei diskutierten, wohnte ich immer noch mit Studenten in einer WG. Vielleicht würde ich niemals Kinder haben! Diese Perspektive zerriss mir das Herz. Ich wurde von der Frau ohne Freund zu der Frau ohne Familie! Ich wurde zunehmend zynisch und spürte, wie Bitterkeit in mir aufkam. Ich war mehr und mehr davon überzeugt, dass Gott mir irgendwas nicht gönnte, dass er mich leiden sehen wollte, dass er mich bestrafen wollte. Ich war ihm doch all die Jahre treu gewesen! War ich ihm völlig egal?

Irgendwann spürte ich plötzlich, dass ich vor einer Entscheidung stand. Ich konnte entweder bitter werden, mich abschotten, Gott zeigen, wie sehr er mich vernachlässigt und enttäuscht hatte. Oder ich konnte glauben, dass Gott gut ist, egal, ob ich heirate oder nicht, dass er gute Pläne hat, auch wenn ich mir das Leben anders vorgestellt hatte. Langsam dämmerte es mir, dass ich nicht kapiert hatte, was Vertrauen bedeutet. Es geht gar nicht um den Glauben für den  perfekten Ehemann. Es ist vielmehr das Vertrauen darauf, dass Gott wirklich weiß was gut für mich ist und dass seine Gedanken für mich höher sind als meine (Jesaja 55,9). Die Entscheidung zu treffen ist mir wirklich schwer gefallen. Es klingt seltsam aber es hatte etwas Verlockendes, Gott zu zeigen, was er davon hatte. Letztlich merkte ich, dass ich mir damit aber nur selbst schaden würde. Ich will keine einsame, bittere, unerträgliche alte Frau werden. Ich will eine Frau sein, die aus der Beziehung mit Jesus strahlt! Deshalb entschied ich mich doch für den anstrengenden Weg, Vertrauen zu wagen. Ich wusste, dass ich umdenken lernen musste.

Nach mehr als zehn Jahren des Single-Seins beschäftigte ich mich daraufhin zum ersten Mal mit dem Thema Single-Sein. Ich las Bücher zum Thema und fing an für die Gabe der Ehelosigkeit zu beten, von der ich früher überzeugt war, dass sie eigentlich eher ein schrecklicher Fluch ist. Nun glaube ich, dass Gott gerade diese Gabe auch für eine bestimmte Zeit geben kann und dass es praktisch wäre, sie zu haben, solange kein Mann in Sicht ist. Und ich spüre, dass Gott ganz neu an mir arbeitet. Ich entdecke, dass er mir eine Vision geben will, die nicht von (einem) anderen Menschen abhängig ist. Ich entdecke, dass er in Ruhe mein Herz verändern will.

Und endlich kann ich das Thema beiseitelegen. Ich habe 15 Jahre der gut gemeinten Ratschläge hinter mir, die so unterschiedlich sind, wie die Menschen, die sie gegeben haben: „Vertraue einfach und warte ab“ vs. „du solltest dich aktiver auf die Suche machen“, „Du wirkst so, als würdest du gar keinen Mann brauchen“ vs. „du willst es zu sehr, das spüren die Männer“,  „übe mehr Hobbys aus, dann bist du interessanter“ vs. „du bist viel zu busy“. Ein Mann wollte einmal mit mir shoppen gehen, um mir zu zeigen, auf welche Kleidung Männer abfahren, ein anderer Kumpel versicherte mir, dass Männern nichts so egal ist, wie die Klamotten einer Frau. Ich habe nach langem abwägen erkannt, dass mir keiner dieser Ratschläge irgendetwas gebracht hat.

Die Ratschläge, die wirklich nützlich waren, oder gewesen wären, sind:
  1. baue tiefe, verbindliche Langzeit-Freundschaften und suche dir Menschen, mit denen du wirklich ehrlich sein kannst, die dir guttun und denen du guttust. Bleib an diesen Menschen dran. Du brauchst enge Freundschaften mit Leuten, die Jesus lieben, einen verbindlichen Hauskreis, eine Mentorin. Und lass dich von ihnen korrigieren. Wir brauchen nicht unbedingt einen Mann aber wir brauchen einander! 1. Tess 5,11
  2. Entwickle Ziele und Träume und gib deinem Leben eine Richtung. Frag Gott, was jetzt gerade für dich dran ist, was du lernen sollst und folge ihm. Johannes 14,12
  3. Verbringe dein Leben nicht im Wartemodus, sondern blühe in deinen Gaben. Bring dich ein. Finde raus, was du kannst und was dir Freude macht, wo du mit Leidenschaft dabei bist und liebe die Menschen um dich herum indem du ihnen Dienst! Römer 12,4 – 21
  4. Mach dir keine Sorgen! Es nützt nichts. Entweder deine Sorgen werden wahr, dann hat dein Grübeln nicht dagegen geholfen. Oder deine Sorgen werden nicht wahr. Dann waren sie ebenfalls Zeitverschwendung. Mt 6,34 Hab keine Angst! Gott gibt dir, was du brauchst! Mt 10,31
  5. Als Single bist du keine halbe Portion, sondern hast doppelt so viel Platz, dich zu entfalten und dich verändern zu lassen! In vielen Gemeinden wird das leider nicht vermittelt aber dein Wert steht bei Gott fest! Und auch dir ist ein Leben in Fülle verheißen! Joh 10,10
  6. Mach das Beste aus der Zeit, die du jetzt gerade hast, denn sie kommt nicht zurück!  Epheser 5,16
  7. Sei dankbar! Schaue auf die Dinge, die du hast. Vergleiche dich nicht mit Anderen sei nicht neidisch und gönne den Anderen ihr Glück! Eph 5,20/ Jesaja 54,1

Es ist nicht so, als hätte ich mich all die Jahre nur mit diesem Thema beschäftigt. Ich habe studiert, war im Ausland, war selbständig, habe einen tollen Job, habe viele für mich wichtige Menschen kennengelernt und liebe meine Freunde. Ich habe viel Zeit mit Gott verbracht, habe viel ausprobiert und viele Gaben entdeckt, habe Lieder geschrieben, Lobpreis geleitet, gepredigt, einen Hauskreis gegründet, war Gemeinde-Älteste und vieles mehr. Inzwischen bereue ich gar nicht mehr, dass ich nicht so früh geheiratet habe, denn vieles hätte ich sonst wohl (noch) nicht erlebt. Das einzige, was ich bereue ist, dass ich vieles nicht richtig genießen konnte, weil ich glaubte, ich sei noch nicht komplett. Inzwischen bereue ich, dass ich so oft übersehen habe, dass Gott die ganze Zeit gut zu mir war und mich immer treu mit Manna versorgt hat, während ich murrend nur den Fleischtopf im Sinn hatte (das klingt jetzt zweideutig, aber siehe 2. Mose 16,3+4).

Meine Freundinnen, die inzwischen fast alle an die zehn Jahre verheiratet sind, haben mich ein wenig desillusionieren können. Ehe ist längst nicht immer romantisch und bedeutet scheinbar WIRKLICH harte Arbeit. Ich habe mir sagen lassen, dass man sehr an seine Grenzen kommt, dass man vor dem Ehepartner erschrickt (wen habe ich da nur geheiratet?) und vor sich selbst und vor den Streits die man hat. Das sieht man nur von außen nicht, weil Ehepaare das oft für sich behalten. Verheiratet sein ist nicht besser als unverheiratet zu sein.

Ich, für meinen Teil, bin immer noch eine Romantikerin. Mein Wunsch bleibt. Aber meine Entscheidung, gut damit umzugehen, auch. Ich weiß nicht, ob ich jemals heiraten werde. Ich will niemandem Angst machen – die allermeisten Christen heiraten ja auch früher oder später. Ich will nur sagen: Gott ist gut, ob ich heirate oder nicht. Ob sich mein Herzenswunsch erfüllt oder nicht. Und ich kann ihm vertrauen. Und ich habe festgestellt: Jesus ist auch ein Romantiker. Wenn einer weiß, was leidenschaftliche Liebe und Hingabe bedeuten, dann ist er es! Ich habe entdeckt, dass ich während langer Spaziergänge in der Natur Gottes Nähe spüren kann, seine Schönheit umgibt mich, in traurigen Zeiten erfahre ich seinen Trost, er beschenkt mich, er versorgt mich, er bleibt treu und seine Liebe zu mir verändert sich nicht!

 

Mirka

… die es liebt auf Hochzeiten

  lange zu tanzen.

Voller Wert – Wertvoller
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