Der Kreisel

Posted In: Thema

Du drehst dich. Schneller, noch schneller. Immer im Kreis und um die eigene Achse. Erinnerst du dich an das Gefühl, wie es ist, wenn man nach mehrmaligem Drehen dann einfach stehenbleibt? Man sieht die Welt nur noch verschwommen, wankend, unklar.

Eigentlich sollte die Überschrift dieses Artikels „Selbstmitleid- das kreisen um sich selbst“ heißen, aber wahrscheinlich würde dann keiner mehr, als nur die Überschrift lesen. Und bevor du jetzt gleich wegklickst, lass dir gesagt sein, dass dieser Text genau für dich ist. Upps, das war direkt!

Wenn ich fragen würde: „Bemitleidest du dich selbst?“, würde kaum jemand die Frage mit ja beantworten. Aber ich helfe dir mal auf die Sprünge. Kennst du die Gedanken: Warum passiert das ausgerechnet mir? Das Leben ist so unfair. Ich habe es besonders schwer. Immer werde ich übersehen. Merkt denn keiner wie schlecht es mir geht? Sieht denn keiner meine Einsamkeit. Wenn du diese Gedanken kennst, dann herzlich willkommen im Club des Selbstmitleids.

Letztens hatte ich ein sehr augenöffnendes Erlebnis. Mein Verlobter und ich hatten uns abends zum Telefonieren verabredet, um gemeinsam den Tag abzuschließen. Ich erzählte, wie ich den ganzen Tag geweint hatte, weil ich mich so allein fühlte. In meiner Umgebung veränderte sich gerade alles und auch mein Leben stand irgendwie auf dem Kopf. Da hatte sich bei mir das Gefühl eingeschlichen „na toll, sieht eigentlich irgendjemand, wie es mir geht“. Als ich so erzählte, merkte ich, wie eine schwarze Wolke schon wieder alles verdunkelte. Ohne dass ich gefragt hatte, erzählte mein Verlobter dann von seinem Tag. Er erzählte von seiner Schicht und von dem Mädchen, dass in Zimmer 3 liegt und nicht weiß, ob sie die Nacht überleben wird. Was er erzählte, war wie ein heftiger Windstoß, der mit einem mal meine schwarze Gewitterwolke beiseiteschob und mich wieder klarer blicken ließ. Plötzlich merkte ich, dass ich in der ganzen Zeit vergessen hatte meine Mitmenschen zu sehen. Genau das passiert nämlich, wenn man in Selbstmitleid versinkt. Man vergisst zu fragen, wie es eigentlich dem anderen geht.

Jeder kennt es. Kaum jemand wagt es sich einzugestehen. Selbstmitleid. Das Bild vom Kreisel verbildlich sehr gut, was Selbstmitleid heißt. Es ist ein Kreisen um die eigene Achse. Die Welt um einen herum wird immer verschwommener. Der Boden auf dem man steht immer wackliger. Und der nächste Schritt immer unklarer.  Dieser verschwommene Blick ist wie ein reißender Strudel.

Das Problem dieser Gedanken ist in erster Linie, dass man sich bedauert und beklagt, satt etwas zu tun. Sie führen letztendlich zu Passivität. Die einzige Aktivität ist dann nur noch Gedankenkreisen. Was daraus folgt ist Frust und Hoffnungslosigkeit. Ein Gefühl des Opfers und ausgeliefert seins.

Verstehe mich nicht falsch. Es gibt Situationen, die furchtbar sind. Ja das Leben ist manchmal eben tatsächlich kein Ponyhof. ABER: Es gibt keine hoffnungslose Situation, nur hoffnungslose Menschen. Das ist hart zu hören, aber letztendlich ist es die Botschaft, die die Bibel in jeder Zeile zu vermitteln versucht. Wenn du denkst, dass du ein Opfer bist, dann hast du vergessen, dass Jesus selbst zum Opfer wurde, damit du es nicht mehr sein musst. Manchmal fällt es uns zu schwer Erlösung anzunehmen, weil uns die darauffolgende Veränderung viel zu viel Angst macht. Ja, Selbstmitleid ist ein sehr sicherer Zustand und wir bleiben darin viel zu oft hängen, weil Selbstmitleid uns die Rechtfertigung gibt, uns nicht verändern zu müssen, sondern zu warten bis sich etwas an unserer Situation ändert. Selbstmitleid hält uns in dem Gedanken gefangen das Problem in allem, nur nicht in unserem eigenen Verhalten zu sehen.

Ein häufig zu beobachtendes, sehr interessantes Phänomen ist, dass wenn man im Selbstmitleid steckt, man es als anmaßend empfindet, wenn jemand einen auf sein Selbstmitleid hinweist. Was erlaubt der sich eigentlich? Er hat doch keine Ahnung wie es mir geht. Und schwups, bist du schon wieder in deiner Selbstmitleidsspirale.

Weißt du, dass dir eine Einladung gilt? Eine Einladung in Bewegung zu kommen. Herauszutreten. Nicht zu warten, bis die Situation sich verändert, sondern selbst zu entscheiden, wie du dein Leben leben möchtest.

Drei konkrete, völlig banale praktische Tipps:

Erstens: steh auf und bewege dich. Komm körperlich in Bewegung und deine Seele wird begreifen, dass sie auch wieder in Schwung kommen kann.

Zweitens: Dankbarkeit. Ganz einfach und sehr wirksam. Denke nicht, dass Dankbarkeit zu banal für deine Situation ist.

Drittens: Reibe dir die Augen und fang an deinen Mitmenschen wieder zu sehen.

Ich möchte dir Mut machen. Ja, in meinem Leben lief auch nicht alles glatt, aber das ist überhaupt kein Grund dabei stehen zu bleiben. Was wäre ein Hürdenlauf ohne Hürden? Was wäre eine Bergtour ohne Berge? Was eine Wüstenwanderung ohne Wüste? Und was eine Nachtwanderung ohne Nacht? Das alles kann zu einem wirklichen Erlebnis werden, solange du dich nicht in einer Ecke zusammenkauerst und darauf wartest, dass die Berge eben werden und die Wüste sich ein einen Garten verwandelt. Es kann deine Muskeln stärken, dein Blick schärfen und deine Ausdauer trainieren, wenn du bereit bist, in Bewegung zu kommen, anstatt dich wie ein Kreisel immer an derselben Stelle zu drehen. Los geht´s- dich erwartet ein Abenteuer.

Pauline

…die jeden Tag von einem

anderen Thema begeistert ist.

 

 

    Vom Wunder und Begegnungen
    Aufgegeben