Das Leben mit Perspektive Ewigkeit

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Ich saß auf einem Stuhl, auf meinem kleinen Balkon, welcher zu meinem 11qm2 Zimmer gehörte. Ehrlich gesagt, wusste ich eigentlich gar nicht, was ich da genau tat…

Es war Sonntagnachmittag und eigentlich hätte ich mich mit Freunden verabreden können, doch alle hatten irgendwie zu tun, wollten lernen oder waren übers Wochenende weggefahren. Also saß ich allein und einsam, auf meinem Stuhl mit einem sehr guten Buch in der Hand und beobachtete die Vögel, die sich in dem Baum vor mir tummelten und sich anscheinend lautstark unterhielten. Bis ich schließlich merkte: Lori, du bist doch gar nicht allein!

Kennt ihr solche Situationen, in denen ihr denkt, jeder und alles hat euch verlassen? Ihr sitzt „dumm“ rum und wisst nicht wirklich, was ihr mit euch anfangen sollt? Genauso ging es mir an diesem Sonntag in der Prüfungszeit. Bevor ich mein Studium begann, versprach ich mir, sonntags nicht für die Uni zu lernen, da ich den Tag ganz und gar Gott widmen wollte. Glücklicherweise habe ich es immer geschafft, außer ich hatte montags eine Prüfung, da wurde der „Ruhetag“ dann eben verschoben. Jedenfalls war ich teilweise echt ein bisschen frustriert, ich weiß nicht, ob das nur mir so geht, aber wenn man dann so alleine ist, kreisen die Gedanken bei mir eigentlich ganz automatisch und ich fange an mich zu hinterfragen: „Mögen die anderen mich nicht? Bin ich zu langweilig? Wieso hat keiner Zeit für mich?“. Solche Gedanken sind so super anstrengend und im Grunde finde ich es überhaupt nicht gut, wenn sie aufkommen. Ich glaube, dass uns der Teufel da ziemlich entmachten und entwerten will, letztlich sind das alles „WERT“-Fragen. Wir denken wir sind vergessen und keiner mag uns. Was eine absolute Lüge ist! Zudem ist es Sonntag, klar, dass wir angefochten werden, wo wir den Tag doch unserem Gott widmen wollen.

Als ich dann so dasaß und mir Gedanken über das Buch in meiner Hand und diese Fragen machte, dachte ich, dass es doch genial wäre, wenn ich jetzt einfach bete, so nutze ich die Zeit wenigstens sinnvoll und muss mich nicht langweilen. Plötzlich spürte ich, wie mich eine Wärme umgab. Ich empfand absoluten Frieden über die Gesamtsituation und wusste, Gott ist da. ER lässt mich nicht allein, egal wo ich gerade stehe. Dieser Moment hat mich so gefesselt, dass mir Tränen die Wange runterliefen. Ich habe mich richtig wertgeschätzt und geliebt gefühlt und wusste, dass mir keiner diesen Moment nehmen kann. Gott deckte auch auf, wie sehr ich mich auf die Prüfungen fokussiert hatte, die Gedanken daran, bestehen zu wollen, saßen tief in mir drin. Ich machte meinen Wert an meiner Leistung fest und deshalb versuchte ich alles daran zu setzten, mich gut auf die Prüfungen vorzubereiten. Denn wer ist schon was wert, ohne etwas zu leisten? Richtig- keiner! Weil wir einfach durch unser SEIN Wert haben. Ich weiß, es ist so schwer, das zu glauben, aber es entspricht der Wahrheit und das dürfen wir uns echt immer wieder bewusst machen. Gott will nicht, dass wir unter einem Leistungsdruck leiden, absolut nicht, denn dafür hat er uns nicht geschaffen.

Während dem Gebet wanderte mein Blick immer wieder zum Himmel hinauf, der so schön blau über mir war. Ich weiß nicht, ob ihr solche Momente schon einmal hattet? Aber ob ihr es glauben könnt oder nicht, auf einmal fiel der ganze Druck mit den Prüfungen von mir ab, mein gedanklicher Horizont wurde erweitert. Gott machte mir klar, dass es im Leben überhaupt nicht darauf ankommt, gut zu sein, es kommt darauf an, was ich in das Reich Gottes investiere und ob ich bereit bin, dafür alles zu opfern. Plötzlich erschienen mir die Prüfungen so „klein“. Gott hatte mir den Blick der „Perspektive Ewigkeit“ geschenkt. Ob ich jetzt eine 4,0 oder eine 1,3 in Organisationspsychologie schreibe oder nicht, es ist im Grunde vollkommen egal, denn im Himmel hat das keinen Wert und keine Bedeutung mehr. Mir wurde bewusst, wie all die Dinge nach denen ich in diesem Moment strebte, unwichtig im Hinblick auf die Ewigkeit waren. Ob ich einen Freund/Mann haben werde ist im Eigentlichen nicht wichtig, ob ich Mutter sein werde, ist nicht wichtig, ob ich ein Haus haben werde, nicht wichtig! Wichtig ist die Ewigkeit. Leben wir so, dass wir Schätze im Himmel sammeln und diese Bestand für die Ewigkeit haben? Geben wir alles für das Reich Gottes oder könnten wir noch viel mehr tun? Versteht mich nicht falsch, ich möchte euch keinen Druck machen! Ich möchte euch nur dazu ermutigen, darüber nachzudenken, euch und euer Handeln im Alltag zu hinterfragen und zu überlegen, ob ihr das gerade zur Ehre Gottes macht.

Ein paar Tage später bin ich schon wieder in das alte Muster gefallen. Ich hatte die letzten zwei großen Prüfungen vor mir, es war mal wieder Sonntag (diesmal habe ich gelernt). Die Prüfungen waren für mich wie zwei riesen Hürden, bei denen ich nicht wusste, wie ich sie überstehen soll, geschweige denn, wie ich den ganzen Stoff in meinen Kopf bekommen sollte. Innerlich war ich wieder total am Boden zerstört und war sehr unzufrieden. Ich kauerte mich auf den Fußboden und fing an zu weinen. „Wieso heulst du denn jetzt? Was ist denn jetzt los mit dir?“, fragte ich mich. Ich war von meinen Emotionen so durcheinander, dass ich nicht mal mehr den Grund für meinen Weinanfall begreifen konnte. „Du musst dich jetzt echt zusammenreißen, morgen ist die Prüfung, lern jetzt, sonst schaffst du es nicht!“, diese Gedanken und ähnliche kamen ständig in meinen Kopf. Ich war komplett ratlos und wusste nicht, was ich tun sollte. Also beschloss ich, für zehn Minuten eine Pause einzulegen und das Ganze erst einmal aus meinem Kopf zu verbannen. Schließlich schaute ich auf mein Handy und beklagte mich bei einer guten Freundin und Kommilitonin. Da sie in derselben Situation war, verstand sie mich. Im Gegensatz zu mir war sie jedoch optimistisch und das überforderte mich. Dann schickte sie mir ein Bild, das meinen kompletten Tag rettete. Darauf stand:

„Was vor dir liegt, wird niemals größer sein als Gott, der hinter dir steht.“

Wow, mich hat dieser Satz so bewegt und ich wusste einfach: „Lori, schau‘ auf MICH, hab den Blick auf die Ewigkeit. Es kommt nicht darauf an was DU leistest, es kommt auf die Kraft an, die ICH dir gebe. Egal was passiert, ICH stehe zu dir und hinter dir! Während deiner Prüfung schau‘ ICH dir über die Schulter und lege meine Hand sanft auf sie, damit du weißt, dass ICH dich nicht im Stich lasse. Und selbst wenn, was ist diese Situation im Vergleich zur Ewigkeit, die du mit MIR verbringen wirst? Vertraue MIR und streck dich nach MIR aus.“

Ihr Lieben, ich möchte euch wirklich Mut machen, euch und eure Gedanken, sowie Situationen zu hinterfragen. Es geht um so viel mehr, als das Hier und Jetzt. Geht auf die Knie und betet, auch wenn ihr vielleicht gar nicht wisst, wie beten geht, probiert es aus. Ihr müsst nicht perfekt sein, nichts leisten oder alles aus eigener Kraft schaffen! Dazu seid ihr nicht bestimmt. Wir sind dazu bestimmt, uns nach Gott und nach SEINEM Reich auszustrecken und so zu leben, dass wir den Blick der „Perspektive Ewigkeit“ nicht aus den Augen verlieren. Gott segne euch und decke all eure Selbstzweifel mit Liebe und Wertschätzung zu.

 

Lori

…die gerade dabei ist,

ihre Semesterferien zu genießen.

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    Renate Gewinner
    20. August 2018

    Schönes Zeugnis! Selbsterlebte Situationen machen Mut!

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