Leiterschaft: Anna im Interview

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Anfang der Woche hatte ich das Privileg mich mit Anna Dengler zu treffen und ihr ein paar Fragen zum Thema Leiterschaft zu stellen. Unser Gespräch habe ich hier für euch im Interviewstyle aufbereitet. Get ready to be inspired and equipped!

Wie sieht deine bisherige Reise mit Leiterschaft aus? Welche Erfahrungen hast du bis jetzt gesammelt?

Angefangen hat das bei mir als ich so 14/ 15 Jahre alt war. In meiner lokalen Ortsgemeinde hatte ich einen Pastor, der damals schon an uns junge Leute geglaubt und uns Möglichkeiten gegeben hat. Anfangs durfte ich im Kindergottesdienst was leiten oder dann später in der Jugend, bei Jugendgottesdiensten predigen. Mit 17 durfte ich auch die Gottesdienstleitung übernehmen und moderieren. Mit 18 durften wir zum ersten Mal predigen. Ich glaube, das hat bei mir ein Fundament im Bereich Leiterschaft gelegt und mir geholfen, so dass es mir heute leicht fällt vor Leuten zu stehen und ich selbst zu sein. Denn ich hatte es ja schon früh gelernt. Dann bin ich auf die Bibelschule gegangen und habe währenddessen God Encounter Ministries gegründet. Das war die erste große Leitungserfahrung, die ich hatte. Acht Jahre später, 2018, gibt es das Momentum College in Nürnberg. Hier leite ich zusätzlich zu meiner Arbeit bei God Encounter den Leadership Stream. Das Momentum College ist eine Vollzeitschule für junge Leiter und Kreative. Die meisten Schüler sind Anfang 20, kommen gerade vom Abi oder haben vielleicht auch schon einen Bachelor und gehen dann ein Jahr Vollzeit auf das College.

Wie kam es zu der Gründung von God Encounter?

Als ich 20 war bin ich in den Winterferien von der Bibelschule heimgekommen und habe God Encounter gegründet. Bei der Bibelschule saß ich im Gebetshaus und habe Zeit mit Gott verbracht. Plötzlich, aus dem nichts heraus, hatte ich den Eindruck, dass Gott sagt: Ich will, dass du einen übergemeindlichen Dienst in Nürnberg gründest, mit dem Ziel, dass Menschen aus verschiedenen Gemeinden zusammenkommen, mich suchen und mir begegnen. Ich hatte zuvor nie geplant einen übergemeindlichen Dienst zu gründen. Gott hat mir dann auch sofort unsere zwei Leitsätze gesagt: „Eine Begegnung mit Gott kann alles verändern“ und „Gottes Gegenwart ist unser größter Schatz“. Und dann wusste ich, dass ich Freunde habe, die ein ähnliches Herz haben. Und es ist mir noch nie  schwer gefallen etwas zu starten. Im Dezember 2010 bin ich dann zurückgekommen. Wir haben uns eine Gemeinde angemietet und einfach angefangen. Es waren 70-80 Leute beim ersten Mal da. Die Vision und alles war noch nicht im Detail ausgearbeitet, aber es war einfach so dieses: Ok, wenn Gott spricht, bin ich einfach gehorsam. Ich bin mit dem gegangen, was ich hatte und ich glaube, dass das auch so eine Sache ist, die sich durch mein ganzes Leben zieht. Zu lernen Gottes Stimme zu hören und wenn er mir was zeigt, dem nachzugehen, egal ob ich schon alles in der Hand habe oder nicht. Denn meistens gibt er uns nicht gleich alles in die Hand. Dann müssten wir ihm ja nicht mehr vertrauen. Wir dürfen einfach mit dem bisschen was wir haben losgehen und währenddessen zuhören wie er uns führen möchte und was er im Detail vorbereitet hat oder wie die konkrete Vision ausschauen wird.

Gab es auch Leute um dich herum, die das mitgetragen haben?

Ja. Meine Familie war von Anfang an dabei. Und dann gab es noch junge Leiter aus der Region, die in ihren 20ern und 30gern waren. Im ersten halben Jahr hat sich daraus ein Leitungsteam geformt, was sich auch immer wieder über die Jahre verändert hat. Als ich dann Langzeit im Herbst 2012 wieder zurückgekommen bin, haben wir angefangen monatlich Teamleute zu trainieren. Sprich Leute, die dann im Gebetsteam waren, Fürbitte gemacht haben oder Kunst etc. und dann auch eine monatliche Training School gestartet.

Bist du grundsätzlich eher der mutige Typ? Fällt es dir leicht dem nachzugehen was Gott dir sagt oder hast du da auch manchmal Zweifel?

Auch ich muss immer wieder bewusst aus meiner Komfortzone heraustreten und bewusst rein in die Unbequemlichkeit. Bei God Encounter nennen wir das auch liebevoll „ab ins kalte Wasser“, einfach ins Risiko gehen, wenn Gott uns ruft in dem Vertrauen, dass er uns nicht absaufen lässt uns es gut wird!

Beim Predigen oder vor Leuten sprechen z.B. kamen mir immer wieder Gendanken wie „Das was du sagen wirst, will eh niemand hören“ und „du kannst das überhaupt nicht“. Ich wurde in meinen Gedanken angegriffen und musste echt immer wieder den Schritt drüber machen, trotz dieser Lügenkämpfe in meinem Kopf auf die Bühne gehen und mich nochmal neu daran erinnern: ich bin Tochter. Ich bin geliebt. Ich musste mich an meine Identität und Berufung erinnern. Sobald ich dann auf der Bühne war ging es dann und als ich runtergegangen bin, war es Jahre lang so, dass wieder die gleichen Gedanken reinkommen wollten: „Das war überhaupt nicht gut, du hast voll versagt“. Ich durfte dann sehr schnell lernen, verankert zu sein in dem was Vater Gott über mich sagt. Das er mich liebt, dass er sich über mich freut und dass es genug für ihn ist, wenn ich mein Bestes gebe. Das ist es was meine Identität ausmacht. Ich stehe oder falle nicht damit ob mich Leute loben oder kritisieren. Es gibt da doch diesen einen bekannten Satz: „Wenn du von dem Lob der Menschen lebst, wirst du fallen, wenn sie dich kritisieren“. Natürlich ist es toll Lob zu bekommen und konstruktives Feedback ist auch wichtig, aber es ändert nichts daran wer ich bin und wer Gott sagt, dass ich bin.

Unsicherheiten habe ich genau wie jeder andere auch. Was es bei mir jedoch verändert hat ist, dass ich gelernt habe Gottes Stimme zu hören und ihm gehorsam zu sein und zu vertrauen. Ich weiß, dass er nur gute Pläne für mich hat und dass er mich nicht in irgendwas reinschicken wird, wo er mich nicht im Vorfeld vorbereitet hat oder mir währenddessen alles schenkt was ich brauche. Das ist meine Überzeugung vom Charakter Gottes.

Was waren deine größten Herausforderungen bisher?

Als ich mit 20 Jahren God Encounter angefangen habe waren viele der anderen Leiter im Leitungsteam älter oder meiner Meinung nach auch erfahrenen und gesalbter als ich. Hier war es am Anfang schwierig für mich meinen Platz einzunehmen und die anderen wirklich zu leiten. Ich weiß noch, wie einer unserer damaligen Leiter zu mir gesagt hat: „Anna, ich fühle mich von dir ermutigt, aber nicht geleitet. Wenn du nicht deinen Platz einnimmst, den Gott dir gegeben hat und die Vision, die er dir gegeben hat umsetzt, werden es andere tun.“  Genau das habe ich gebraucht, dass mir jemand das so direkt sagt. Ich bin dann in einen Prozess reingegangen.

Gott beruft nicht die Qualifizierten, sondern er befähigt die Berufenen. Ich bin von Gott berufen und dadurch darf ich an diesem Platz sein. Gott wird mir alles geben was ich brauche. Wie jeder Andere muss auch ich Dinge lernen und werde wachsen. Ich baue Leute um mich herum, die mir helfen und mich unterstützen. Ich darf an dem Platz, an dem ich bin aufblühen. Das hat mir wirklich geholfen mich als Leiter und gerade auch als Frau in Leitungspositionen wohl zu fühlen. Und auch gerade, in einem Umfeld, wo bei Veranstaltungen vor allem viele Pastoren und männliche Leiter sind, durfte ich lernen nicht eingeschüchtert zu sein oder zu denken, dass ich hier keinen oder einen weniger wichtigen Platz habe. Zu wissen, dass ich genauso was Wichtiges mit einbringe und ich mich nicht verändere, egal wer um mich herum ist oder wo ich bin, hat mir geholfen. Das war glaube ich so einer der Hauptprozesse, aber Herausforderungen gibt es immer viele.

Was macht dir Spaß beim Leiten?

Ich glaube was mir am Meisten Spaß macht, ist zu sehen was mit Menschen passiert, die erkennen wie Gott sie sieht und was er in sie hineingelegt hat und dann anfangen das zu leben. Dadurch wird Gott so verherrlicht in ihrem Leben. Das liebe ich anzuschauen. Wenn Menschen ihr Potenzial entfalten und aufblühen! Das wird nie langweilig für mich. Ich liebe den Satz: Living life to the fullest – in so ein Leben mit Gott möchte ich Menschen immer mehr hineinführen!

Was gehört für dich zu Leiterschaft dazu? Wie drückt sich Leiterschaft aus?

Ich glaube die Grundlage von Leiterschaft ist, dass wir uns in andere Menschen investieren. Das sehen wir auch, wenn wir uns anschauen, wie Jesus in drei Jahren die Welt verändert hat. Er hat sich in Einzelne, in seine Jünger richtig investiert. Er hat an sie geglaubt und ihnen einfach Möglichkeiten gegeben. Er hatte keine Angst vor ihren Fehlern, ihrem Versagen, ihrem Stolz oder was sonst noch so alles hochgekommen ist. Er hat ihnen einfach gezeigt wie er seine Beziehung mit dem Vater lebt und sie so angesteckt, dass sie auch in eine Beziehung zu ihm hineingewachsen sind. Das heißt ich würde auf jeden Fall sagen, dass das Hauptding ist, dass wir uns als Leiter in Menschen investieren, ohne dass wir etwas zurückverlangen oder darauf schauen, was für uns dabei herauskommt. Wir können weitergeben, was wir schon lernen durften. Gleichzeitig fängt Leiterschaft aber auch bei uns selbst an. Wenn ich nicht lerne mich selbst zu leiten, dann kann ich auch niemand anderen leiten. Es geht darum, dass egal wen ich um mich herum leite, auch wenn ich nur einen Menti oder so habe, dass ich schaue wie ich in den verschiedenen Bereichen meines Lebens weiter wachsen kann. Ich sage eigentlich immer, dass wir drei Menschengruppen um uns herum brauchen: Leute, in die wir uns investieren, Leute, die unsere Freunde und auf unserer Wellenlänge sind und Leute, die sich in uns investieren. Jeder kann sich in andere investieren und so Leiter sein, auch wenn man erst ein paar Monate Christ ist, kann man schon weitergeben, was man empfangen hat. Wir brauchen Freunde, bei denen wir einfach sein können und Spaß haben, die uns ermutigen und stärken. Und wir brauchen Leute, von denen wir empfangen, seien es Mentoren, Coaches, geistliche Eltern oder sowas in der Art. Diese Leute sind wie eine Art göttliches Sicherheitsnetz um mich herum. Gerade als es bei God Encounter sehr herausfordernd war, weil unser Team sich sehr verkleinert hat, waren es diese Leute, die mich immer wieder daran erinnert haben, wer ich bin und wozu ich berufen bin, als ich es nicht mehr glauben konnte.

Was ist dein Tipp an junge Leiter?

Du musst keinen Weg für dich selbst bahnen. Du brauchst keine Angst zu haben etwas zu verpassen. Du brauchst auch nicht Angst zu haben, dass wenn du jetzt nicht durch eine Tür gehst, dass sie nie wieder aufgeht. Wir dürfen lernen Gottes Stimme zu hören und sensibel für sie zu werden. Wenn er die Tür öffnet, wird die Auswirkung noch viel stärker sein, als wenn wir selbst versuchen Türen aufzudrücken oder durch Türen gehen, die Menschen aufhalten. Ich durfte immer wieder in meinem Leben erleben, dass wenn Gott was gesagt hat und ich ihm gehorsam war und dem nachgegangen bin, es krass war, was er getan hat.

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