Kochen ist schön. Zusammen essen ist schöner

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Hätte man mich vor 4 Jahren gefragt, was ich einmal werden möchte – ich hätte es nicht gewusst. Einiges kann ich ein bisschen, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, es gab nicht diese eine Sache, etwas, das ich so RICHTIG gut konnte. Als Kind wollte ich mal Floristin werden, Tierärztin oder Krankenschwester wie meine Mama. Am liebsten aber Kinderkrankenschwester.

Nach meinem Abi war ich für ein halbes Jahr in Papua Neuguinea und habe dort in einer deutschen Familie  die Kinder unterrichtet.  Durch das Leben in Papua sind mir irgendwie ganz schön viele Dinge bewusst geworden. Vor allem Einkaufen, Kochen und Essen ist dort so anders.

Dinge, die für uns in Deutschland selbstverständlich sind müssen dort selbst hergestellt werden. Butter und Käse sind Luxus. Joghurt haben wir selbst gemacht, Brot auch. In der Küche meiner Gastmama, die übrigens neben meiner Mama die Frau ist, die mich am meisten inspiriert, habe ich gesehen wie viel Zeit sie in das investiert, was wir jeden Tag essen durften. Und dann habe ich angefangen zu begreifen und wertzuschätzen, wie kostbar (und kompliziert) eigentlich ein Jogurth ist.

Die Kochkünste meiner Gastmutter haben eine richtige Experimentierfreude in mir ausgelöst mich auf eine Weise inspiriert, die bis jetzt anhält.

Während meinem Pharmaziestudium war ich dann immer diejenige, die beim Essen in der Mensa ihre eigene Dose gezückt hat. Und dann kamen immer Kommentare wie „Sarah, warum wirst du eigentlich nicht Köchin?“ oder „Krass, wie viel Zeit du immer in dein Essen investierst“. Jemand hat mal zu mir gesagt, dass wenn Dinge einem richtig Freude machen und andere Menschen einem oft sagen, dass man das gut kann, dann ist das deine Leidenschaft.

Um die Zeit zwischen meinem abgebrochenen Pharmaziestudium und meinem dualen Studium zur Diätassistentin zu überbrücken, habe ich in der Küche eines meiner Lieblings-Cafés gearbeitet. Das verrückte dabei war, dass es nie wirklich Arbeit für mich war, weil ich es einfach so gerne gemacht habe. Auch mein Wunsch mit Kindern zu kochen wurde wahr. Seither koche ich regelmäßig in einer Gruppe mit Mädchen zwischen 5-9 Jahren, was ein unglaubliches Geschenk für mich ist. Mit Kindern zu kochen ist für mich einfach etwas ganz Besonderes, die sagen einem auch ganz ehrlich wenn‘s mal nicht schmeckt.

Was mir aber so richtig am Herzen liegt ist, dem Essen wieder einen höheren Stellenwert zu geben. Bei uns Zuhause ist der Esstisch ein Ort, an dem man zusammen kommt, jeder sich kurz Zeit nimmt, nicht nur zum Essen sondern um  herunterzukommen, Erlebtes zu teilen und auszutauschen. Eine kleine Auszeit aus dem Trubel des Tages, die Gemeinschaft der Liebsten genießen um dann wieder durchstarten.

Kochen ist schön, zusammen Essen ist Schöner. Inzwischen sitzen am Tisch statt meinen Eltern und meinem Bruder, wundervolle Mitbewohner, Herzensfreundinnen, Kommilitonen/-innen, Freunde von Freunden, Bekanntschaften – ich bin gespannt wer noch alles an unserem wunderschönen Holztisch in unserer kleinen WG-Küche Platz nehmen wird…

Immer habe ich mir gewünscht den Masterplan für meine Zukunft zu haben, zu wissen was ich als nächstes machen werde und zu wissen, was meine Leidenschaft ist.

Wenn ich jetzt zurück schaue, wird mir klar, dass alle Unebenheiten in meinem bisherigen Leben, alle Momente des Versagens und Scheiterns, beim Zurückschauen nur noch ein Bruchteil so schlimm sind, wie sie mir damals vorgekommen sind und in den meisten Fällen etwas Gutes an sich hatten oder ich zumindest daran wachsen durfte.

Ob Kochen meine Leidenschaft ist? Ich glaube schon. „Iih, das mag ich nicht“, Kommentar einer 6-jährigen zu meinem Kohlrabi-Gemüse oder „Warum machst du das eigentlich?“ wenn ich bis Nachts um halb eins in der Küche stehe, Teig knete und Hummus für eine Live-Cooking Aktion püriere – solche Aussagen lassen mich auch manchmal daran zweifeln. Aber ich denke, wenn einen etwas so richtig herausfordert oder an seine Grenzen bringt , man viel investiert man aber daraus lernt, mit mehr Energie aus der ganzen Sache herausgeht und es auf jeden Fall wieder machen würde, dann ist es Leidenschaft.

 

Sarah

…die es liebt, wenn sich Leute

selbst zum Essen einladen.

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